Zonta Förderpreis

Foto: Setfoto des Kurzfilms Grauzone (Produktion HS Offenburg)
Regie: Sabrina Hrovatin
Bild: links nach rechrts: Miriam Schiweck, Sabrina Hrovatin, Julia Kleine und Jonathan Rieder.

Auf dem diesjährigen Kurzfilmfestival SHORTS der Hochschule Offenburg, das wegen Covid 19 in diesem Jahr online stattfindet, wird am Sonntag, den 05. Juli der ‚ZONTA Award for young female filmakers‘ im Wert von 1000,- Euro verliehen. –  Ein Förderpreis für junge Frauen, die ihre berufliche Perspektive in der Filmbranche sehen. Es geht um Frauen hinter und neben der Kamera: Regisseurinnen, Drehbuchautorinnen, Kamerafrauen, Toningenieurinnen, Editorinnen, 2- und 3D-Artists, Produzentinnen, Kostümbildnerinnen, Setdesignerinnen, Maskenbildnerinnen, Bühnenbildnerinnen, etc. An der Hochschule Offenburg gibt es zwei Studiengänge, in denen alles rund um die digitale Filmproduktion gelehrt wird. Die Studierenden arbeiten im Anschluss an ihr Bachelor-Studium in Offenburg in Werbefilmproduktionen, in Filmproduktionen, im Marketing und Social Media- Bereich und in der Postproduktion. Viele gehen für ein aufbauendes Masterstudium in die Medienmetropolen Berlin, München, Hamburg und Köln. Manche auch nach England, Frankreich oder die USA.Sie sind gefragt: Netflix und Co haben die Quantität und Qualität der Produktionen in Deutschland erhöht, es herrscht Fachkräftemangel in der Branche. Und dennoch macht es Sinn, junge Frauen, die innerhalb ihres Studiums hervorragende Leistungen gezeigt haben, mit einem Preisgeld gesondert hervorzuheben, zu würdigen und damit zu motivieren, sich nicht entmutigen zu lassen, denn es gibt eine statistisch belegte Ungleichbehandlungen von Männern und Frauen in der Medienbranche in Deutschland:

Die Initiative ProQuoteFilm, die vor drei Jahren initiiert wurde, veröffentlicht auf ihrer Website folgende Zahlen für den Bereich Filmproduktion: „Obwohl seit 25 Jahren 50% der Alumni von Filmhochschulen weiblich sind, gingen 2019 lediglich 14% der Projektförderung der Filmförderungsanstalt FFA an Produzentinnen. Dabei spielen sie eine wichtige Rolle für die diverse Besetzung anderer Funktionen wie Drehbuch, Regie und Kamera, erzählen häufiger Frauenfiguren und gehen effizienter mit den Fördermitteln um.“
(https://mailchi.mp/proquote-film.de/corona-konjunkturpaket)

Die Schieflage zieht sich durch:
10 % der bundesweiten Filmförderung fließen in Projekte von Regisseurinnen.
8% der fiktionalen Produktionen von ARD und ZDF werden von Kamerafrauen gedreht.
6% Drehbuchautorinnen beim Tatort 2018.
2% Kamerafrauen beim Tatort 2019.

 

Weiter weist  die Initiative ProQuoteFilm, die über 500* Frauen in den kreativen Schlüsselpositionen der Film- und Fernsehbranche vertritt, darauf hin, dass der Lockdown darüber hinaus einen Backlash in Bezug auf die Gleichstellung von Männern und Frauen eingeleitet habe, der nur verhindert werden könne, wenn die Verantwortlichen jetzt Maßnahmen ergriffen.

Der Zonta-Club Offenburg e.V. gehört einem weltweiten Zusammenschluss berufstätiger Frauen an, der sich dafür einsetzt, die Lebenssituation von Frauen in rechtlichen, politischen, wirtschaftlichen und beruflichen Bereichen zu verbessern. Auf die erstmalige Ausschreibung des Förderpreises für junge Filmemacherinnen haben sich 24 junge Frauen aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz beworben. Sie haben Arbeiten aus den Bereichen Filmkonzeption, Filmproduktion und/oder Postproduktion eingereicht. Die Jury speziell für diesen Preis bestand aus Andrea Leppert, Bettina Stoll, Bettina Freitag, (ZONTA) und der Filmemacherin Eva-Maria Kühling, der Producerin Ania Berger sowie Sabine Burg – Professorin für Drehbuch und Filmregie an der Medienfakultät der Hochschule Offenburg. Die Jurorinnen erkannten sehr viel förderwürdiges Talent unter den Einreichungen. „Ich bin beeindruckt von all den außerordentlichen Arbeiten, die wir gelesen, gesehen und lange diskutiert haben,“ sagte Frau Stoll vom ZONTA-Club Offenburg in der Corona-bedingten Telefonkonferenz begeistert, „ich freue mich sehr, dass wir die Möglichkeit haben, diesen Preis im Rahmen des SHORTS Offenburg am Sonntagabend zu vergeben.“

Text von Prof. Sabine Burg de Sousa Ferreira